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Aspirationsprophylaxe bei Dysphagie nicht umgesetzt

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Darum geht es

Nach Krankenhaus-Entlassung wurden einem Bewohner eine falsche Kostform sowie Medikamente in falscher Darreichungsform bereitgestellt. Bei Dysphagie (Schluckstörung) kann das zu einer Aspiration (Eindringen von Flüssigkeit oder festen Stoffen in die Atemwege) und in der Folge z. B. zu Atemnot sowie einer Aspirationspneumonie (Lungenentzündung durch Aspiration) führen.

Bericht zum kritischen Ereignis/Bericht zum kritischen Ereignis

Wo ist es passiert?

Stationäre Pflegeeinrichtung

Was ist passiert?

Ein Bewohner kam aus dem KH mit Dysphagie Stufe C. Im Entlassungsbericht steht, Medikamente sind zu mörsern und das Essen soll passiert werden. Am Morgen nächsten Tages stand das unpüriertes Essen, nicht angedickte Getränke und Medikamente waren nicht gemörsert, obwohl es in denBerichtenlättern stand und die Küche per Zettel informiert war

[Nachtrag zum Bericht nach Rückfrage vom CIRS-Team: Die Bereitstellung wurde vorher durch die Heimaufsicht zuvor bemerkt. Davor morgens waren die PKs zur Grundpflege im Zimmer gewesen und waren fertig mit dem Waschen und dann kam Heimaufsicht rein, da sie diesen BW gezogen hatte, zur Überprüfung pflegerischen Zustands nach KH.]

Kam jemand gesundheitlich zu Schaden?

Nein

Wer war direkt beteiligt?
  • Klient/-in oder Bewohner/-in
  • Pflegefachperson
Wieso ist es passiert?
  • Kommunikationsprobleme: Pflegefachkraft-Pflegefachkraft
    Pflegefachkraft-Pflegehelfer
    Pflegefachkraft-Küchenkraft
  • Mangelnde Organisation: Hektik
Was wurde nach dem kritischen Ereignis getan?

Besprechung Fachkräfte und Pflegehelfer

Haben Sie eine bestimmte pflegefachliche Frage?

Wie kann man diese kommunikationabläufe bessern?

Wer berichtet?

Pflegefachperson

Bericht vom 28.05.2026

Pflegefachliche Empfehlung

Nach einer Krankenhaus-Entlassung gilt es, Maßnahmen zur Aspirationsprophylaxe bei Dysphagie entsprechend umzusetzen. Zentral ist dabei, dass alle an der Versorgung Beteiligten diese kennen und beachten.

Folgende aus unserer Sicht geeignete Maßnahme wurden laut Bericht nach dem kritischen Ereignis umgesetzt: Besprechung zwischen Mitarbeitenden

… zum Vorgehen bei einem solchen Ereignis

  • falsch bereitgestellte Speisen und Medikamente entfernen; Bewohner und ggf. Angehörige über den Fehler informieren; um Entschuldigung bitten; weiteres Vorgehen besprechen
  • Medikamente entsprechend ärztlicher Anordnung mörsern und bereitstellen; bei Bedenken oder fehlender Anordnung Hausarztpraxis informieren; außerhalb der Sprechzeit ärztlichen Bereitschaftsdienst anrufen (116 117)
  • geeignete Kostform umgehend organisieren; dafür z. B. Mitarbeitende der Speisenversorgung möglichst direkt ansprechen; ggf. Andickungsmittel/pürierte Kost bestellen
  • Ereignis sachlich, genau und nachvollziehbar dokumentieren: Situation, ggf. Folgen, erfolgte und geplante Maßnahmen; außerdem Ereignis bei Dienstübergabe berichten; ggf. Vorgesetzten oder Vorgesetzte informieren und weiteres Vorgehen besprechen, z. B. kurzfristige Teamschulung zur Informationsweitergabe nach Krankenhaus-Entlassung

… zur Prävention eines solchen Ereignisses

  • Ereignis in Teambesprechung reflektieren, dabei Mitarbeitende der Speisenversorgung einbeziehen: Gründe (z. B. unklare Kommunikation) sowie Risiken (z. B. Aspiration) falscher Kostform und Darreichungsform von Medikamenten besprechen; Maßnahmen vereinbaren und Zuständigkeiten festlegen
  • verantwortliche Mitarbeitende mündlich und schriftlich über spezielle Kostform und Darreichungsform von Medikamenten sowie Aspirationsrisiko informieren; dabei z. B. Closed Loop Kommunikation und SBAR-Methode anwenden; individuelle Anforderungen dokumentieren
  • bei der Speisenversorgung ggf. ergänzend visuelle und digitale Hilfen nutzen (z. B. farbliche Kennzeichnung auf Speisetablett, Warnmeldung bei Kostformänderung)
  • prinzipiell Medikamente während und nach dem Richten anhand ärztlicher Anordnung kontrollieren sowie erneut vor dem Verabreichen: richtige Person, richtiges Medikament, richtige Dosierung, richtige Darreichungsform, richtige Applikationsform, richtiger Zeitpunkt?
  • pflegebedürftige Menschen bestärken, auf Schluckbeschwerden und falsche Kostform bzw. Darreichungsform von Medikamenten hinzuweisen
  • Aufnahmen vorausschauend planen: z. B. bei der Ansprechperson des Krankenhauses Therapieempfehlungen erfragen; ggf. spezielle Kostform rechtzeitig organisieren und Mitarbeitende vorab darüber informieren
  • Aufnahmen nach Krankenhaus-Entlassung strukturiert durchführen: u. a. zu Dienstbeginn Aufgaben und Zuständigkeiten im Team festlegen; Unklarheiten sofort ansprechen (Speak Up-Ansatz)
  • organisationsinterne Verfahrensanweisung zur Aufnahme nach Krankenhaus-Entlassung erarbeiten bzw. prüfen und ggf. anpassen, z. B. im Qualitätszirkel; dazu DNQP-Expertenstandard Entlassungsmanagement nutzen; Mitarbeitende informieren; ggf. standardisierte Checkliste zur Planung und Informationsweitergabe implementieren
  • Mitarbeitende regelmäßig zur Ablauforganisation von Aufnahmen nach Krankenhaus-Entlassung schulen; ggf. spezialisierte Personen (z. B. für Koordination) benennen; kurze Lerneinheiten (Microlearning) wie Lernposter (One-Minute-Wonder) einsetzen

… allgemein zum Umgang mit kritischen Ereignissen

  • feste Zeiten und Regeln vereinbaren, um konstruktiv über kritische Ereignisse zu sprechen, z. B. bei Dienstübergaben, in Teambesprechungen, im Rahmen von Fallbesprechungen, Supervision oder Kollegialer Beratung
  • als kritisch empfundenes Verhalten nicht verharmlosen, sondern unterstützend und lösungsorientiert ansprechen; sich gegenseitig dazu ermutigen
  • kurzfristige, situationsbezogene Schulungen/Fortbildungen organisieren
  • Instrument nutzen, um kritische Ereignisse anonym zu berichten und zu bearbeiten, z. B. einrichtungsinternes Berichts- und Lernsystem oder einrichtungsübergreifend das Pflege-CIRS
Die pflegefachlichen Empfehlungen wurden nach bestem Wissen erstellt. Das ZQP übernimmt für die Richtigkeit keine Gewähr und haftet nicht für Schäden. Sie ersetzen nicht die individuelle Rechtsberatung im konkreten Fall.
erstellt am 12.06.2026