• Hygiene
  • Stationäre Pflege

Urinbeutel mit Leitungswasser gespült

Drucken Herunterladen

InhaltsverzeichnisInhaltsverzeichnis minimieren

99 / 99

Darum geht es

Der Urinbeutel einer pflegebedürftigen Person wurde mit Leitungswasser gespült. Dadurch können Krankheitserreger in das System des Blasenverweilkatheters gelangen und in die Harnblase aufsteigen. Dies kann zu einer Harnwegsinfektion (HWI) bis hin zu einer Urosepsis führen.

Bericht zum kritischen Ereignis/Bericht zum kritischen Ereignis

Wo ist es passiert?

Stationäre Pflegeeinrichtung

Was ist passiert?
Urinbeutel mit Leitungswasser gespühlt!
Welche Folgen hatte dies für die pflegebedürftige Person?

Harnwegsinfekt

Wer war direkt beteiligt?

Pflegefachperson

Wieso ist es passiert?

Persönliche Faktoren: Fehlende reflektion des handelns

Haben Sie eine pflegefachliche Frage?

Laut dem MA ist das in der Ausbildung zum Gesundheits und Krankenpfleger geschult worden!

Wer berichtet?

Qualitätsbeauftragte/-r

Bericht vom 07.07.2026

Pflegefachliche Empfehlung

Beim Umgang mit Harndrainagesystemen ist Hygiene konsequent einzuhalten, um Infektionen vorzubeugen. Spülungen dürfen nur bei spezieller urologischer Indikation nach ärztlicher Anordnung und unter aseptischen Bedingungen durchgeführt werden.

… zum Vorgehen bei einem solchen Ereignis

  • Bewohner oder Bewohnerin und ggf. Angehörige über die Harnwegsinfektion aufgrund der Spülung des Urinbeutels informieren; um Entschuldigung für den Fehler bitten; über Risiken und Symptome informieren und weiteres Vorgehen besprechen
  • ärztlich angeordnete Maßnahmen umsetzen, z. B. gesamtes Harndrainagesystem unter aseptischen Bedingungen wechseln, Vitalzeichen messen (u. a. Puls, Temperatur), Urinausscheidung (u. a. Farbe, Menge) beobachten und dokumentieren, ggf. bei Flüssigkeitsaufnahme unterstützen
  • Bewohner oder Bewohnerin in festgelegten Abständen nach dem Befinden fragen; bei Verschlechterung der Symptome (z. B. Schmerzen im Bereich der Nieren, Übelkeit, Schüttelfrost, Fieber) Arzt oder Ärztin sofort informieren; außerhalb der Sprechzeit ärztlichen Bereitschaftsdienst anrufen (116 117); ärztliche Anordnung in Absprache mit der pflegebedürftigen Person und ggf. Angehörigen umsetzen
  • Ereignis sachlich, genau und nachvollziehbar dokumentieren: Ereignis, Folgen, bereits umgesetzte und geplante Maßnahmen einschließlich ärztlicher Anordnung, aktueller Status; außerdem Ereignis bei Dienstübergabe berichten; Vorgesetzten oder Vorgesetzte informieren und weiteres Vorgehen besprechen
  • als Vorgesetzter oder Vorgesetzte Ereignis zeitnah mit der beteiligten Pflegefachperson nachbesprechen; Gründe gemeinsam reflektieren; fachgerechten Umgang mit Harndrainagesystemen verdeutlichen, evtl. Hygienebeauftragten oder Hygienebeauftragte einbeziehen; ggf. kurzfristige Teamschulung zum hygienischen Umgang mit Harndrainagesystemen organisieren

… zur Prävention eines solchen Ereignisses

  • Ereignis in Teambesprechung reflektieren: über Risiken und mögliche Ursachen (z. B. mangelndes Wissen) sprechen, Maßnahmen und Zuständigkeiten vereinbaren
  • gegenseitig im Team ermutigen, Fragen zu stellen und Bedenken anzusprechen (Speak Up-Ansatz), z. B. bei Dienstübergaben Zeit fest einplanen; auf möglichst ruhige und ungestörte Umgebung achten; Informationen systematisch und verständlich weitergeben
  • bei Durchflussminderung oder Verschmutzung des Harndrainagesystems Arzt oder Ärztin informieren und Vorgehen besprechen; Wechsel oder Spülung nur nach ärztlicher Anordnung; steriles Material verwenden und aseptisch vorgehen; dazu möglichst Kollegen oder Kollegin hinzuziehen
  • organisationsinterne Verfahrensanweisung für fachgerechten Umgang mit Blasenverweilkathetern erarbeiten oder überarbeiten, z. B. im Qualitätszirkel; dabei z. B. an Empfehlungen der Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention (KRINKO) orientieren; Mitarbeitende hierüber informieren
  • pflegebedürftige Menschen und ggf. Angehörige bestärken, Bedenken anzusprechen, z. B. mangelnde Hygiene beim Umgang mit dem Blasenverweilkatheter; Beratung und Anleitung anbieten; dazu z. B. ZQP-Ratgeber Gute professionelle Pflege erkennen nutzen
  • Mitarbeitende regelmäßig zur Prävention katheterassoziierter Harnwegsinfektionen schulen; dafür z. B. RKI-Präsentationsfolien nutzen; zudem kurze Lerneinheiten anbieten, etwa mit Lernpostern sowie simulatives Lernen einsetzen

… allgemein zum Umgang mit kritischen Ereignissen

  • feste Zeiten und Regeln vereinbaren, um konstruktiv über kritische Ereignisse zu sprechen, z. B. bei Dienstübergaben, in Teambesprechungen, im Rahmen von Fallbesprechungen, Supervision oder Kollegialer Beratung
  • als kritisch empfundenes Verhalten nicht verharmlosen, sondern unterstützend und lösungsorientiert ansprechen; sich gegenseitig dazu ermutigen
  • kurzfristige, situationsbezogene Schulungen/Fortbildungen organisieren
  • Instrument nutzen, um kritische Ereignisse anonym zu berichten und zu bearbeiten, z. B. einrichtungsinternes Berichts- und Lernsystem oder einrichtungsübergreifend das Pflege-CIRS
Die pflegefachliche Empfehlung wurde nach bestem Wissen erstellt. Das ZQP übernimmt für die Richtigkeit keine Gewähr und haftet nicht für Schäden. Sie ersetzt nicht die individuelle Rechtsberatung im konkreten Fall.
erstellt am 14.07.2026